Aktienrente 2027: Was ist das — und wie funktioniert die staatliche Förderung?

Die Aktienrente — offiziell das Altersvorsorgedepot (AVD) — ist Deutschlands größte Rentenreform seit Riester. Ab 2027 fördert der Staat privates Investieren in ETF-Depots mit bis zu 540 € pro Jahr direkt auf dein Konto. Für Familien mit Kindern sogar deutlich mehr. Was steckt dahinter, wer profitiert — und was musst du jetzt wissen?

Was ist die Aktienrente 2027?

Die Aktienrente ist kein neues staatliches Rentensystem, sondern eine staatliche Förderung für private ETF-Depots. Das Bundeskabinett hat das entsprechende Gesetz zur Reform der privaten Altersvorsorge auf den Weg gebracht — es soll 2027 in Kraft treten und Riester als primäres staatlich gefördertes Vorsorgemodell ablösen.

Wer in ein zertifiziertes Altersvorsorgedepot einzahlt, erhält:

  • 540 € Grundzulage pro Jahr — gegenüber 175 € bei Riester mehr als das Dreifache
  • 300 € Kinderzulage pro Kind und Jahr
  • Maximale Förderquote bei Geringverdienern: bis zu 20 % staatliche Zuzahlung auf den Eigenbeitrag
  • Steuerlicher Abzug der Einzahlungen als Sonderausgaben bis zu 3.000 € pro Jahr

Das Besondere: Anders als bei Riester gibt es keine Beitragsgarantie. Das Geld wird in echte Aktien und ETFs investiert — mit echten Renditechancen und ohne den Renditekiller Garantiezwang.

Wer bekommt die 540 € Förderung?

Die 540 € Grundzulage erhält, wer folgende Voraussetzungen erfüllt:

  • In Deutschland sozialversicherungspflichtig beschäftigt ist oder als Beamter tätig ist
  • In ein zertifiziertes Altersvorsorgedepot einzahlt
  • Den jährlichen Mindesteigenbeitrag leistet (voraussichtlich rund 60 € pro Jahr)
  • Das Depot bis mindestens zum 62. Lebensjahr hält (Auszahlungsphase ab 62 möglich)

Für Familien summiert sich die Förderung erheblich: Eine Familie mit zwei Kindern erhält 1.140 € pro Jahr allein an staatlichen Zulagen — dazu kommt die mögliche Steuererstattung über den Sonderausgabenabzug.

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Altersvorsorgedepot vs. Riester: Der entscheidende Unterschied

Riester hatte über 20 Jahre ein strukturelles Problem: Die gesetzlich vorgeschriebene Beitragsgarantie zwang Anbieter, einen Großteil des Geldes in sichere, aber renditearme Anleihen zu investieren. Das Altersvorsorgedepot 2027 bricht mit diesem Prinzip konsequent.

Merkmal Riester-Rente Altersvorsorgedepot 2027
Grundzulage 175 € pro Jahr 540 € pro Jahr
Kinderzulage 185–300 € pro Kind 300 € pro Kind
Anlageform Versicherung oder Fondssparplan Freies ETF-Depot
Beitragsgarantie Ja — 100 % Kapitalerhalt Pflicht Nein — volle Aktienquote möglich
Kostenniveau Hoch (häufig 1–3 % p.a.) Gedeckelt bei max. 1 % TER
Renditechance (historisch) Gering (durch Garantiepflicht) Hoch (echte Aktienmarktrendite)
Steuerabzug Einzahlungen Bis 2.100 € als Sonderausgaben Bis 3.000 € als Sonderausgaben
Flexibilität Auszahlung Verrentet (lebenslange Rente) Auszahlplan oder Verrentung möglich

Beispielrechnung: Was bringt die Aktienrente über 30 Jahre?

Die folgende Rechnung zeigt, welchen Unterschied die staatliche Zulage macht — bei identischem Eigenbeitrag und einer angenommenen durchschnittlichen ETF-Rendite von 7 % pro Jahr (historische Rendite globaler Aktien-ETFs, z. B. MSCI World, langfristig ca. 7–9 % nominal).

Annahmen: 30 Jahre Laufzeit, 7 % Rendite p.a., Eigenbeitrag 3.000 €/Jahr, Wiederanlage aller Zulagen.

Variante Jährl. Einzahlung gesamt Endvermögen nach 30 Jahren
Nur Eigenbeitrag, keine Förderung 3.000 € ca. 283.000 €
Mit Grundzulage (540 €) 3.540 € ca. 334.000 €
Familie, 2 Kinder (1.140 € Zulage) 4.140 € ca. 391.000 €

Der Unterschied: Wer die staatliche Förderung vollständig nutzt und in einen kosteneffizienten ETF investiert, kann nach 30 Jahren über 100.000 € mehr im Depot haben als ohne Förderung — bei identischem Eigenaufwand.

Welche Anbieter werden das Altersvorsorgedepot anbieten?

Das Bundesministerium der Finanzen (BMF) arbeitet aktuell an den finalen Zertifizierungskriterien. Die Anforderungen sind bekannt: Kostenobergrenze bei 1 % TER, Transparenz, keine Lock-in-Bedingungen über das gesetzliche Minimum hinaus. Voraussichtlich zugelassen werden:

  • Direktbanken und Broker: DKB, ING, Consorsbank, Trade Republic, Flatex
  • Robo-Advisor: quirion, Ginmon, Raisin Invest, growney — sofern die Kostengrenze eingehalten wird
  • ETF-Sparpläne mit TER unter 1 % — Standard-ETFs auf MSCI World oder FTSE All-World sind problemlos kompatibel

Teure Fondspolicen oder klassische Versicherungsprodukte werden aufgrund der Kostenobergrenze ausgeschlossen sein. Das ist bewusst so gewählt — und ein klarer Vorteil gegenüber Riester.

Was solltest du jetzt tun?

Das Altersvorsorgedepot startet offiziell 2027. Die gute Nachricht: Wer heute handelt, ist gut vorbereitet.

  1. Kein Depot? Jetzt eröffnen: Ein kostengünstiges ETF-Depot bei DKB, ING oder einem Robo-Advisor wie quirion aufmachen. Die meisten bestehenden Depots werden 2027 einfach als Altersvorsorgedepot zertifizierbar sein — ein Neustart ist nicht nötig.
  2. Riester-Vertrag prüfen: Lohnt sich eine Kündigung? Für viele Riester-Sparer mit schlechter Renditehistorie wird ein Wechsel 2027 sinnvoll sein. Eine schädliche Verwendung lässt sich vermeiden, wenn das AVD als anerkannter Nachfolger eingestuft wird — Details folgen Ende 2026.
  3. Einzahlhöhe planen: Um die volle Grundzulage von 540 € zu erhalten, ist ein Mindesteigenbeitrag nötig. Plant diesen in euer Monatsbudget ein.
  4. Informiert bleiben: Die Bundesregierung veröffentlicht voraussichtlich Ende 2026 die finalen Konditionen und zugelassenen Anbieter.

Fazit: Die Aktienrente ist die größte Chance für Privatanleger seit Jahren

540 € geschenkt — dazu ETF-Renditen ohne Garantiezwang, günstigere Kosten und mehr steuerlicher Spielraum. Für die meisten sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmer ist das Altersvorsorgedepot 2027 attraktiver als alles, was Riester je war. Wer sich jetzt informiert, ein passendes Depot wählt und den Mindesteigenbeitrag plant, ist im Vorteil — und profitiert ab 2027 sofort von der vollen staatlichen Förderung.

Häufige Fragen zur Aktienrente 2027

Wann kommt die Aktienrente genau?

Der offizielle Start ist für 2027 geplant. Das genaue Datum steht noch nicht fest — Einzahlungen in zertifizierte Altersvorsorgedepots sollen ab dem ersten Quartal 2027 förderfähig sein. Die gesetzlichen Grundlagen werden voraussichtlich Ende 2026 finalisiert.

Kann ich meinen Riester-Vertrag in ein Altersvorsorgedepot umwandeln?

Ja, eine Übertragung soll möglich sein. Eine schädliche Verwendung — also die Rückzahlung aller Zulagen — kann vermieden werden, wenn das Altersvorsorgedepot als anerkannter Nachfolger des Riester-Vertrags anerkannt wird. Die genauen Übergangsregelungen werden im Laufe von 2026 vom BMF konkretisiert.

Gibt es die 540 € auch für Selbstständige?

Nein. Die Grundzulage gilt nur für sozialversicherungspflichtig Beschäftigte und Beamte. Selbstständige, die nicht in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen, sind nicht förderberechtigt. Eine Ausnahme: Selbstständige, die freiwillig in die GRV einzahlen, können unter Umständen förderfähig sein. Für klassische Selbstständige bleibt die Rürup-Rente (Basisrente) die steuerprivilegierte Alternative.