Tagesgeld vs. Festgeld vs. ETF: Welche Kapitalanlage passt zu Ihnen?

Die drei wichtigsten Anlageformen im Überblick

Geld anlegen muss nicht kompliziert sein. Drei Anlageformen decken 90 % aller Bedürfnisse ab: Tagesgeld für die schnelle Verfügbarkeit, Festgeld für planbare Zinsen, ETFs für den langfristigen Vermögensaufbau. Jede hat ihre Stärke. Keine ist für alles geeignet.

Die Frage ist nicht: Welche ist die beste? Die Frage ist: Welche passt zu Ihrem Ziel? Ein Notgroschen gehört nicht in einen ETF. Und Geld für die Rente in 30 Jahren gehört nicht aufs Tagesgeldkonto.

Tagesgeld: Flexibel, aber wenig Rendite

Tagesgeld ist das Sparbuch des 21. Jahrhunderts. Ihr Geld liegt auf einem separaten Konto, verzinst sich täglich und ist jederzeit verfügbar. Kein Risiko, keine Laufzeit, keine Kündigungsfrist.

Aktuelle Konditionen (Stand Februar 2026):

  • Zinssatz: 2,5-3,5 % p.a. (Top-Angebote, oft zeitlich begrenzt)
  • Durchschnitt: ca. 2,0-2,5 % p.a.
  • Einlagensicherung: bis 100.000 € pro Bank und Kunde (EU-weit)

Die Krux: Nach Abzug der Inflation (aktuell ca. 2,2 %) bleibt real kaum etwas übrig. Tagesgeld erhält Ihre Kaufkraft – mehr nicht. Aber genau das ist sein Job.

Ideal für: Notgroschen (3-6 Monatsgehälter), kurzfristige Sparziele, Geld das Sie in den nächsten 1-2 Jahren brauchen.

Festgeld: Planbare Zinsen für feste Laufzeit

Beim Festgeld legen Sie einen Betrag für eine feste Laufzeit an. Dafür erhalten Sie einen garantierten Zinssatz. Kein Zugriff bis zum Ende der Laufzeit – das ist der Preis für die höhere Rendite.

Aktuelle Konditionen (Stand Februar 2026):

  • 6 Monate: 2,5-3,0 % p.a.
  • 12 Monate: 2,8-3,5 % p.a.
  • 24 Monate: 3,0-3,8 % p.a.
  • 36 Monate: 3,0-3,5 % p.a. (inverse Zinskurve möglich)

Einlagensicherung greift wie beim Tagesgeld bis 100.000 €. Vorsicht bei ausländischen Banken: Die Sicherungssysteme einiger Länder sind weniger belastbar als das deutsche.

Ideal für: Geld, das Sie in 1-3 Jahren brauchen (Autokauf, Anzahlung Immobilie), Sicherheitsbaustein im Portfolio, Rentner die planbare Zinseinkünfte wollen.

ETF-Sparplan: Langfristig die höchste Rendite

ETFs (Exchange Traded Funds) sind börsengehandelte Indexfonds. Sie bilden einen Index wie den MSCI World nach – und damit hunderte oder tausende Unternehmen gleichzeitig. Breit gestreut, kostengünstig, transparent.

Die Zahlen sprechen für sich:

  • Historische Rendite MSCI World: ca. 7-8 % p.a. (über 30+ Jahre, vor Steuern)
  • Kosten (TER): 0,10-0,25 % p.a. für große ETFs
  • Sparplan ab: 1 € monatlich bei vielen Brokern
  • Risiko: Kursschwankungen, temporäre Verluste von 30-50 % möglich

Der Haken: Kurzfristig kann ein ETF erheblich schwanken. 2022 verlor der MSCI World zwischenzeitlich über 20 %. Wer dann verkaufte, realisierte den Verlust. Wer hielt, war 2023 wieder im Plus. Mindesthorizont: 10 Jahre.

Ideal für: Altersvorsorge, langfristigen Vermögensaufbau, alle die mindestens 10 Jahre nicht ans Geld müssen.

Der große Vergleich

Kriterium Tagesgeld Festgeld ETF-Sparplan
Rendite p.a. 2,5-3,5 % 2,8-3,8 % 7-8 % (historisch)
Risiko Kein Verlustrisiko Kein Verlustrisiko Kursschwankungen
Flexibilität Täglich verfügbar Gesperrt bis Laufzeitende Täglich handelbar
Mindestanlage Oft ab 1 € Oft ab 500-5.000 € Ab 1 € (Sparplan)
Einlagensicherung Bis 100.000 € Bis 100.000 € Sondervermögen (unbegrenzt)
Steuern Abgeltungssteuer 26,375 % Abgeltungssteuer 26,375 % Abgeltungssteuer + Teilfreistellung 30 %
Empf. Anlagedauer Kurzfristig 1-3 Jahre 10+ Jahre

Welche Anlage für welches Ziel?

Die Wahl hängt von Ihrem Anlageziel ab. Hier eine klare Zuordnung:

  • Notgroschen (3-6 Monatsgehälter): Tagesgeld. Muss sofort verfügbar sein. Rendite ist zweitrangig.
  • Urlaub/Auto in 1-2 Jahren: Tagesgeld oder kurzes Festgeld. Kein Verlustrisiko, planbar.
  • Immobilien-Anzahlung in 3-5 Jahren: Festgeld-Leiter (gestaffelte Laufzeiten). Vielleicht ein kleiner ETF-Anteil, wenn Sie flexibel beim Zeitpunkt sind.
  • Altersvorsorge (10+ Jahre): ETF-Sparplan. Kein Weg führt daran vorbei. Die Zeit glättet die Schwankungen.
  • Vermögensaufbau für Kinder: ETF-Sparplan auf Junior-Depot. 18 Jahre Anlagehorizont sind perfekt für Aktien-ETFs.

Die Mischung macht es: Portfolio-Strategie

Die besten Anleger nutzen alle drei Bausteine. Ein bewährtes Modell:

  • Stufe 1 – Sicherheit: 3-6 Monatsgehälter auf dem Tagesgeldkonto (eiserne Reserve)
  • Stufe 2 – Mittelfristig: Geplante Ausgaben der nächsten 1-5 Jahre in Festgeld
  • Stufe 3 – Wachstum: Alles darüber hinaus in einen breit gestreuten ETF-Sparplan

Beispiel bei 1.000 € monatlichem Sparbetrag: 200 € Tagesgeld (bis Reserve voll), 300 € Festgeld-Leiter, 500 € ETF-Sparplan. Sobald der Notgroschen steht, fließen die 200 € ebenfalls in ETFs.

FAQ

Sind ETFs sicher?

ETFs sind Sondervermögen – bei einer Bankpleite ist Ihr Geld geschützt. Das Kursrisiko bleibt aber: Kurzfristig sind Verluste von 30-50 % möglich. Langfristig (15+ Jahre) gab es beim MSCI World historisch keinen Verlust.

Wie viel Zinsen bekomme ich auf 10.000 € Festgeld?

Bei 3,5 % Zinsen und 12 Monaten Laufzeit: 350 € brutto. Nach Abgeltungssteuer (26,375 %) bleiben ca. 258 € netto – sofern der Sparerpauschbetrag (1.000 € Single, 2.000 € Paar) ausgeschöpft ist.

Kann ich Tagesgeld und ETF kombinieren?

Unbedingt. Das ist sogar die empfohlene Strategie. Notgroschen auf Tagesgeld, langfristiger Vermögensaufbau per ETF. Die Quote hängt von Ihrem Alter und Risikoprofil ab.

Was ist besser: Einmalanlage oder Sparplan?

Statistisch schlägt die Einmalanlage den Sparplan in etwa 2 von 3 Fällen. Psychologisch ist der Sparplan besser: Er nimmt den Druck, den perfekten Einstiegszeitpunkt zu finden. Im Zweifel: Sparplan.

Fazit

Tagesgeld, Festgeld und ETF sind keine Konkurrenten – sie sind ein Team. Jede Anlageform hat ihre Rolle. Tagesgeld sichert Ihre Liquidität. Festgeld liefert planbare Zinsen. ETFs bauen Ihr Vermögen auf. Wer alle drei klug kombiniert, ist für jede Marktlage gerüstet.

Fangen Sie an. Heute. Nicht morgen. Auch 50 € monatlich in einen ETF-Sparplan machen über 20 Jahre einen gewaltigen Unterschied.

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